Letzte Woche fand der SKGG Expertentalk zur Lage des Gesundheitssystems Schweiz statt. Mit dabei waren namhafte Vertreter grosser Marktteilnehmer aus dem Schweizer Gesundheitswesen, u.a. stationärer Leistungserbringer wie das Universitätsspital Zürich oder der Frauenklinik Triemli, öffentlicher Ämter und Interessensvertreter wie z.B. dem Gesundheitsamt Kanton Schaffhausen, FMH und Interpharma oder Krankenversicherungen wie der SWICA. Auch das Health-Trends Team war vor Ort und hat für euch nachfolgend die wichtigsten Inputs zusammengefasst.

Man ist sich einig: es muss sich was ändern.

Grundsätzlich waren sich während des Experten-Talks alle Teilnehmer einig: Es muss sich was ändern im Schweizer Gesundheitswesen. Die Gesundheitskosten und damit auch die Krankenkassenprämien steigen praktisch ungebremst. Es braucht dringend neue Lösungen, womit man den ungebremsten Kostenanstieg in den Griff kriegt. Allerdings warnten einige Vertreter wie beispielsweise Anna Sax vom Gesundheitsamt Kanton Schaffhausen vor dem systemimmanenten «Schwarzpeterspiel» und vor unüberlegten Spar-Diskussionen, die letztendlich auf dem Buckel des Endkunden, also des Patienten resp. Versicherungs-Nehmers, ausgetragen würden.

Dabei ist man sich den Herausforderungen im gegenwärtigen System durchaus bewusst, so wurden beispielsweise die Bestrebungen rund um das elektronische Patientendossier wie schon am Swiss eHealth Summit anfangs September auch in dieser Runde als «PDF-Friedhof» bezeichnet. Stephanie von Orelli, Chefärztin der Frauenklinik Triemli hob hervor, dass die ganze Patientendossier-Initiative wenig vielversprechend sei, wenn nicht alle involvierten Parteien, neben den Ärzten und stationären Leistungserbringern auch die Krankenversicherungen, Pharma-Unternehmen etc. zugunsten des Patienten an einem «Strang» ziehen würden. Darüber hinaus wurde unter anderem von absurden Kostengutsprachen in Einzelfällen berichtet. Auch der «Kantönligeist» scheint noch eine weit verbreitete «Krankheit» im System zu sein, welche oftmals den zukunftsgerichteten Initiativen im Gesundheitswesen im Weg steht. Einige Teilnehmer akzentuierten auch, dass die Wettbewerbsanreize im Markt zu einem unsinnigen Kampf um Patienten und Fachkräften führt. Oder in einem Überangebot an medizinischen Dienstleistungen auf engem Raum enden und damit die Kosten in die Höhe treiben. Solchen Herausforderungen, so war man sich einig, muss man dringend Gegensteuer geben.

Es herrschte eine Aufbruchsstimmung unter den Panel-Teilnehmern. Nun folgen hoffentlich auch entsprechende Taten.

Insgesamt, so scheint es, herrschte eine Aufbruchsstimmung unter den Diskussions-Teilnehmern auf dem Panel. Das bunte Portfolio an Themen sei wohl sinnbildlich für den Umbruch und die Vielschichtigkeit der gesamten Industrie, meinte Moderator Florian Inhauser.

Gleichzeitig war man sich einig, dass jeder Stakeholder im Gesundheitswesen seinen notwendigen Beitrag leisten muss, um letztlich die steigenden Kosten in den Griff zu kriegen. Man wünscht sich mehr gemeinsame Zusammenarbeit und Bestrebungen für neue medizinische Service-Angebote, Behandlungsansätze und zukunftsfähige technische Lösungen zugunsten des Endkunden, die gleichzeitig eine dämpfende Wirkung auf Kosten und Prämien haben. In diesem Zusammenhang war unter anderem die Rede von zukunftsfähigen Spitalregionen, flexibleren und attraktiveren Arbeitsmodellen für medizinische Fachkräfte, der einheitlichen Finanzierung von ambulant und stationär (EFAS), von der technischen Vernetzung und Integration der vielerorts bislang noch arg verstreuten Insellösungen sowie von automatisierten Ansätzen in der Logistik im Rahmen der Supply Chain 4.0. «Es tut sich was und das stimmt mich positiv», sagt Reto Dahinden, CEO von SWICA.

Die Schlussfrage zum aktuellen und allgemeinen Leidensdruck beantwortet der interpharma CEO Dr. René P. Buholzer wie folgt: «Man soll den Patienten empowern die notwendige ökonomische Nachfrage auch wirklich zu tätigen. Denn nur so kommen wir zu einer realen Nachfrage der entsprechenden Leistung.»

Insgesamt eine spannende Runde. Es lohnte sich dabei zu sein.

Der Expertentalk war aus unserer Sicht durchaus spannend. Man spürte, dass sich die Teilnehmer der aktuellen Herausforderungen im Gesundheitswesen bewusst sind, und daran was ändern wollen. Dies ist deckungsgleich mit Beobachtungen, die Health-Trends in den letzten Jahren im Schweizer Gesundheitswesen immer wieder machte. So haben wir zum Beispiel noch vor fünf Jahren fast keine Partnerschaftsaktivitäten zwischen verschiedenen Akteuren wie einer Krankenversicherung und einem Krankenhaus gesehen. Heutzutage hat sich die Denkweise solcher wichtiger Stakeholder grundlegend verändert: sie beginnen neue Partnerschaften mit anderen Marktteilnehmern zu erforschen, um die Herausforderungen des Marktes zu bewältigen. Eine sehr begrüssenswerte Tendenz und es wird interessant sein zu sehen, was sich daraus entwickeln wird. Es bleibt also weiterhin spannend.

Über den SKGG Expertentalk zur Lage des Gesundheitssystems:

Mit dabei waren: Katja Bruni, Direktorin Pflege und MTTB, Universitätsspital Zürich | Stephanie von Orelli, Dr. med., Departementsleiterin Frau-Mutter-Kind, Chefärztin Frauenklinik Triemli | Anna Sax, Lic. oec. publ., MHA, Leiterin Gesundheitsamt Kanton Schaffhausen |Christoph Bosshard, Dr. med., Vizepräsident der FMH | René P. Buholzer, Dr., Geschäftsführer interpharma | Reto Dahinden, Dr. oec. HSG, CEO SWICA Gesundheitsorganisation

Einführung und Moderation: Florian Inhauser, Moderator/Reporter, SRF-Tagesschau

Weitere Informationen: https://www.skgg.ch/index.asp?inc=vorveranstaltungen.asp


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

X